Gault&Millau 2015: Servicepreis
  • de
  • en
Gault&Millau 2015: Servicepreis

Gault&Millau 2015: Servicepreis

GAULT MILLAU SERVICEPREIS 2015

Mit Witz, Charme und Schürze - Der Gault&Millau-Servicepreis geht an Christl Döllerer.

Als Wirtshaus-Kind hatte es Klein-Christl nicht immer lustig. Gut kann sie sich an ein Osterfest erinnern, zu dem sie ein Fahrrad geschenkt bekam, mit dem sie freudig durch die Gegend düste. In den hübschen Salzburger Stadtgärten suchten die lachenden Nachbarskinder mit ihren Familien nach Ostergeschenken. Nur sie radelte allein, ihre Eltern standen hinter der Schank.

Cuisine Alpine

Verbissen schaut Christl Döllerer auf ihre Kindheit nicht zurück. Im Gegenteil: Schon als Schülerin der Hotelfachschule Kleßheim träumte sie von einer Karriere im Tourismus und von der Übernahme des familieneigenen Gasthofs Schloss Aigen. Wie das Leben so spielt, durchkreuzte im Jahr 1999 ein Mann ihre Pläne. Auf einer Weinmesse in Verona verliebte sie sich in einen jungen Koch namens Andreas Döllerer aus Golling – heute steht der Drei-Haubenkoch für die Salzburger Cuisine Alpine. "Bis vor zwei Jahren bin ich zwischen Schloss Aigen und Golling gependelt, aber als meine Eltern in den Ruhestand gehen wollten, musste ich mich entscheiden. Mein Vater sagte zu mir: ,Als du deinen Mann kennengelernt hast, hast du gewusst, wo du eines Tages deine Eier legen wirst.‘ Ich habe sehr lange überlegt, leicht ist mir die Wahl wirklich nicht gefallen."

Frauenpower

Heute leitet die 35-Jährige mit Leidenschaft und Esprit den Servicebereich des Hotels und Haubenrestaurants Döllerer. Nebenbei bändigt sie drei kleinen Söhne: Andreas, Leopold und Hermann.

Für den Restaurantführer Gault&Millau verdient so viel Frauenpower eine Auszeichnung. Und daher geht der Servicepreis heuer an Restaurantleiterin Christl Döllerer. Gault&Millau-Herausgeberin Martina Hohenlohe begründet die Wahl mit dem perfekten Dirigieren der Brigaden im Dienste der Gäste: "Dass ihr dabei auch beim größten Druck nie der Witz und der Charme abhanden kommt, macht sie zu einem wichtigen Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Hauses Döllerer."

Die Geschäftsfrau bleibt trotz Rampenlicht bescheiden: "Ich stehe als Organisatorin lieber im Hintergrund, mein Mann ist der Künstler. Für mich ist es selbstverständlich, dass die Gäste wegen der Küche meines Mannes kommen und ich ihm den Rücken freihalte. Ich bin eine nette Nebenerscheinung."

Luxus: Hausaufgaben

Ihre sympathische Nonchalance kommt auch in der Großfamilie gut an, denn hier ziehen alle an einem Strang. Ihre Schwägerin Sabine zeigt bei Dekorationen stilsichere Hand, Sabines Ehemann Raimund und dessen Bruder Christian verwalten 300.000 Flaschen edelster Weine, Raimund senior ist Fleischer aus Berufung und sorgt für genügend Nachschub seiner legendären Kalbsbrätwürstel, Onkel Hermann – einst Patron – steht
der jüngeren Generation mit Rat und Tat zur Seite. Die Omas Martha und Marianne helfen beider Nachwuchsförderung: „Jene Doppelbelastung, die normalerweise berufstätige Mütter haben, kenne ich nicht: Mein Hauptgeschäft findet am Abend statt. Wenn andere berufstätigen Mütter nachmittags arbeiten, mache ich mit meinen Kindern die Hausaufgaben. Für die Abendstunden greift ein Kindermädchen helfend ein, am Wochenende sind es die Großmütter. Außerdem brauche ich weder zu kochen noch einzukaufen. Wir essen gemeinsam im Gasthaus. Ein absoluter Luxus.“ Da für Familie und Mitarbeiter gekocht wird, dürfen die Buben nicht frei aus der Karte wählen. Wenn sie aber die Wahlfreiheit haben, bestellen sie liebend gerne Schnecken und Muscheln. Ein Gericht kommt bei Andreas junior hingegen nicht gut an: Wiener Schnitzel. In stressigen Wochen wie zu Weihnachten gebe es dennoch Momente des schlechten Gewissens, dann plant die Mutter besondere Familienausflüge als Wiedergutmachung.

Auszeit am Strand

Für die Buben ist das Mithelfen im Betrieb eine Riesenhetz: "In den Ferien helfen sie gerne an der Bar und in der Küche. Der Große macht sich gerne chic, wenn er ins Restaurant geht. Dabei sehe ich es gar nicht so gerne, wenn die Kinder viel Zeit im Betrieb verbringen."

Die Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann empfindet Christl Döllerer als harmonisch, Diskussionen würden niemals vor den Mitarbeitern geführt. Auch abends drehen sich die Gespräche um das Geschäft. Zwar steht regelmäßig eine Auszeit auf dem Programm, aber eine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben gebe es nicht. "Im Frühjahr waren wir zu zweit an der Rhône, bald steht eine kleine Reise an die Loire an. Natürlich schauen wir uns in den Urlauben auch Restaurants an, weil wir gerne gut essen und trinken, aber mit den Kindern ging es im vergangenen Sommer nach Jesolo. Manchmal muss es einfach ein Strandurlaub sein."

Wir stellen vor

Gastfreundschaft, die von Herzen kommt. Oft sind es die kleinen Dinge, die den großen Unterschied ma

mehr
18 Punkte - 3 Hauben

"Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung" (Bewertung aus GAULT MILLAU Österreich

mehr