Reisen

Deutsche Weinreise

Vom Rhein zur Rebe.

Treffender könnte das Motto für unseren jüngsten Streifzug durch die deutschen Weinlande gar nicht lauten. Von der Nahe in den Rheingau, weiter nach Rheinhessen und in die Pfalz. Legendäre Lagen, international bejubelte Rieslinge und Burgundersorten. Was für eine Vielfalt, was für ein Können! Auch in den Küchen: Hier wird virtuos die kulinarische Klaviatur bespielt, von Deftig bis Fine Dining.

Gemeinsam formen sie eine der genussreichsten Regionen unserer deutschen Nachbarn:
Nahe, Rheingau, Rheinhessen und Pfalz – genau das Richtige für uns.
Also auf, mit viel Neugier und Vorfreude! Rund fünf Autostunden und wir sind schon da, 
denn das Gute liegt so nah – bzw. Nahe!

Die Nahe

Oft unterschätzt, doch enorm spannend

In diesem Weinbaugebiet reifen Rieslinge mit Charakter. Sie sind filigran, mineralisch und tiefgründig und wachsen zwischen Schiefer, Quarzit, Lehm und vulkanischem Gestein. Besonders in den steilen Lagen rund um Oberhausen an der Nahe entstehen auf engstem Raum völlig unterschiedliche Weintypen. Wer hierher kommt, muss dorthin: Das Weingut Dönnhoff zählt mit über 250 Jahren Tradition, zehn Grand-Cru-Lagen und international gefeierten Rieslingen zu den Spitzenbetrieben. Der Stil? Kristalline Säure, salzige Präzision, unverwechselbare Herkunft. Ebenso faszinierend: das Weingut Schäfer-Fröhlich mit kraftvollen, glockenklaren Rieslingen von Schiefer-und Vulkangestein. Hier trifft vibrierende Frische auf radikale Herkunftstreue.

Der Rheingau

Ein Auftakt voller Spannung, Tiefe und Terroir! Das nächste Ziel liegt bereits im Rheingau: Eine der besten Adressen für sanften Schlaf und kulinarische Höhenflüge ist das Kronenschlösschen in Eltville-Hattenheim mit grandioser Weinkarte.
Noch ein Tipp für Entdecker: der Rheingauer Weinwanderweg und das Schiff, mit dem sich einem vom Wasser aus die Schönheit der Region erschließt. Ihre geografische Ausnahmelage macht die kleine, feine Weinregion entlang des Rheins zu einer der renommiertesten Deutschlands.
Der Fluss fungiert als natürlicher Wärmespeicher und Sonnenreflektor. Der Taunuskamm sorgt im Norden für Schutz und Kühle. Auf knapp 3100 Hektar Rebfläche wachsen hier zu 85 Prozent Riesling und zu zehn Prozent Spätburgunder, in beeindruckender Qualität und in großer Stilvielfalt.

Immer einen Besuch wert

Peter Jakob Kühn in Oestrich bringt genau das ins Glas. Seit mehr als 230 Jahren gibt die Familie ihr Wissen um diese besonderen Lagen von Phyllitschiefer und Taunusquarzit weiter. Die Rieslinge des seit 2004 biodynamischen Weinguts zeigen die ganzheitliche Herangehensweise: leicht reduktive Frucht, feine Gerbstoffe, langes Hefelager, großes Holz. Die Weine sind nicht laut, sondern beeindrucken vielmehr mit stiller Kraft von innen. Sie sind vielschichtig, lebendig und mit tiefer Herkunftsprägung. Tipp: Takten Sie Ihren Besuch mit dem Rheingau Gourmet & Wein Festival, das alljährlich Spitzenköche, Winzer und Weinliebhaber in die Region lockt!

Weiter geht’s nach Rheinhessen

„Klasse statt Masse“ heißt es in der „Toskana Deutschlands“. Gleichzeitig ist Rheinhessen Deutschlands größtes Weinbaugebiet. Dort bringt man aufsehenerregende Rieslinge wie auch Burgundersorten, Silvaner und Scheurebe hervor.
Dramatische Steillagen bis zu lieblichem Hügelland – wie im Burgund oder der Toskana – geschützt zwischen Rhein, Nahe und Pfalz, ergeben in den Weinen hohe Reifegrade bei gleichzeitig frischer Struktur. Die Böden – Löss, Mergel und Ton bis Kalkstein, Quarzit und Porphyr – fördern die Vielfalt und die Tiefe der Weine. Es ist Mittag und Zeit für eine erstklassige Stärkung in Steins Traube bei Mainz, ehe wir ein höchst spannendes Winzerduo besuchen: Carolin und H. O. Spanier. Ihre beiden Weingüter Kühling-Gillot in Bodenheim und Battenfeld Spanier in Hohen-Sülzen haben das moderne, selbstbewusste Rheinhessen geprägt. Bio seit mehr als 20 Jahren – mit großem Vertrauen in Boden, Rebstock und Zeit. Die Rieslinge vom legendären Roten Hang sind von feiner, salziger Mineralik und kühler Eleganz. Der kalkreiche südliche Wonnegau wiederum bringt kraftvolle, puristische Weine mit Tiefgang und langem Reifepotenzial hervor.

Sonniges Finale: die Pfalz

Sie ist mit über 5.900 Hektar Riesling-Reben die zweitgrößte Weinregion Deutschlands und zugleich das größte Riesling-Gebiet der Welt. Doch trotz ihrer fast südlichen Leichtigkeit sieht die Pfalz auch oft rot – denn sie ist Deutschlands wichtigstes Rotweingebiet. Die Pfälzer Weinstraße ist 85 Kilometer lang, aber nur wenige Kilometer breit und führt durch das von Kalksteinriffen, Buntsandstein, Schiefer und Muschelkalk geprägte vielfältige Weinbaugebiet östlich des Haardtgebirges. Wir lassen den Abend im Winzerstädtchen Freinsheim ausklingen. Im Amtshaus genießen wir französische Küche, ein gutes Glas Wein und die gemütlichen Zimmer. Der neue Tag bringt einen großen Namen: Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim. Auf dem über 400 Jahre alten Weingut produziert Bettina Bürklin-von Guradze seit den 1990er-Jahren durch

konsequente Biodynamie höchst präzise und terroirgeprägte Weine. Sie sind filigran und kraftvoll zugleich. Die Rieslinge der Spitzenlagen zählen zu den größten Weinen des Landes.  Zu Mittag gibt es ein deftiges, aber delikates Kultgericht – den Pfälzer Saumagen.
Weiter geht’s in den Süden: Im Weingut Ökonomierat Rebholz in Siebeldingen entstehen Naturweine im besten Sinne – ehrlich, präzise und ausdrucksstark. Seit den 1940er-Jahren sticht die Familie bei Verkostungen mit ihrem „typisch Rebholz“ hervor: klare Struktur, Charakter und Mineralität durch Naturverbundenheit und bestes Winzerhandwerk. Wer einmal einen Rebholz-Riesling aus dem Kastanienbusch im Glas hatte, vergisst das nicht so schnell – und kehrt gerne wieder in diese genussreiche Region zurück.

„Wer es in der nächsten Zeit nicht zu diesen deutschen Weingütern schafft, der kann sich in unserer Enoteca auf eine Verkostungsreise ,Quer durch Deutschland‘ begeben oder sich vom Enoteca-Team zu deutschen Weinen persönlich beraten lassen.“
 

RAIMUND DÖLLERER

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Die nächste Etappe ruft

Und doch ist diese Reise nur ein Vorgeschmack. Deutschlands Weinwelt hat noch weit mehr zu bieten. An der Mosel und Saar locken klingende Namen wie Van Volxem, Markus Molitor oder Villa Huesgen mit Rieslingen voller Strahlkraft und Finesse. In Franken wiederum beweisen Weingüter wie Steintal und Winzerhof Stahl, dass Silvaner und Burgundersorten hier ein unvergleichlich eigenständiges Gesicht zeigen können. Baden glänzt nicht zuletzt durch große Spätburgunder – etwa bei Bernhard Huber oder im traditionsreichen Schloss Ortenberg. In diesem Sinne:
Fortsetzung folgt!