Weingüter Battenfeld Spanier & Kühling-Gillot

Laura Handerer: Euer Familienbetrieb besteht aus ursprünglich zwei Weingütern, die 2006 zu einem Unternehmen verschmolzen sind. Zwei Familien, die sich gefunden haben und etwas Neues/Anderes entstehen ließen. Wie schwer oder wie leicht war es, die Dinge zueinander zu bringen? Was war trennend, was verbindend?
Carolin Spanier-Gillot: „Wir hatten das unfassbar große Glück, dass meine Eltern uns direkt nach unserer Hochzeit das Weingut Kühling-Gillot zu gleichen Teilen überschrieben und sich danach zurückgezogen haben. H.O. hat sein Weingut 1991 gegründet. Die Herausforderung bestand zu Beginn in der Frage, wie wir uns nach außen darstellen. Schlussendlich haben wir die beiden Marken Kühling-Gillot und Battenfeld Spanier wegen ihrer Herkünfte und besonderen Terroirs getrennt gelassen. Sind wir beide die Gesichter für beide Weingüter? Eigentlich ja, denn H.O. ist für die Vinifikation aller Weine zuständig und ich für die Vermarktung. Nach außen hin hat sich bis heute durchgesetzt, dass H.O. für Battenfeld Spanier steht und ich für Kühling-Gillot – und das ist absolut fein für uns.“
L. H.: Ihr habt Pionierarbeit geleistet, als ihr vor über 20 Jahren die Weinarbeit mit eurer Sicht auf die Dinge begonnen habt. Was hat euch angetrieben und wie wichtig war euch der Austausch mit anderen – auch über Grenzen hinweg? Macht Pionierarbeit manchmal auch ein wenig einsam?
H.O. Spanier: „Von Beginn an war uns der Austausch mit Kollegen auf nationaler Ebene sehr wichtig. Der internationale Austausch kam erst im Laufe der Jahre, als der trockene deutsche Wein auch dort wieder mehr in den Fokus rückte. Die Gespräche mit anderen Winzern und Winzerinnen öffneten unseren Blick in puncto Herkünfte und Stilistiken noch weiter. Am Ende musste man dennoch sagen, dass alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, sehr eng mit unserer eigenen Idee und unserem eigenen Fokus auf trockene Weine verknüpft sind.“
L. H.: Wer sich mit euren zwei Weingütern beschäftigt, dem fällt als erstes die Präzision auf, mit der ihr an die Dinge herangeht. Der naturnahe Ansatz, bleibt dennoch nicht auf der Strecke. Wie fanden diese beiden Dinge, die sich, oberflächlich betrachtet, widersprechen könnten, für euch zueinander?
H.O. S.: „Prinzipiell ist man als Winzer eine Art Dirigent, der mit einem großen Orchester, sprich seinen Weinbergen und seinen Lagen, die über das Weinjahr hin perfekt vorbereitet werden müssen, eine Symphonie von Gustav Mahler dirigiert. Die Natur gibt den Takt vor. Nicht andersherum. Präzision bedeutet für uns Exzellenz in jeglicher Hinsicht.“
L. H.: Ein Betrieb wie dieser lebt bei aller Präzision, immer auch vom Zufall und der Intuition. Wie wichtig sind euch diese Begriffe und wie geht ihr damit um?
H.O. S.: „Wir hassen Zufälle wie z. B. Regen und Hagel, wohlwissend, dass wir damit mit Demut umgehen müssen. Intuition bedeutet für uns jahrelange Erfahrung. Zwar gleicht kein Jahrgang dem anderen, aber nach über 30 Jahren sollte man die Fähigkeit besitzen, mit genügend Augenmaß und Resilienz den bevorstehenden Aufgaben gerecht zu werden.“
L. H.: Wenn man eure Arbeit aufmerksam verfolgt, dann ist es der Raum zwischen Handeln und Loslassen, der euch reizt und der das Besondere eures Tuns ausmacht. Was versteht ihr darunter?
H.O. S.: „Hier sind wir wieder bei der Intuition. Letztendlich bedeutet es, dass sich der Mensch in seiner Arroganz nie über die Herkünfte und über die Lagen erheben darf.“



L. H.: Einige eurer Lagen waren vor drei Jahrzehnten „Sleeping Beauties“, die in ihrer Schönheit erst entdeckt werden mussten. Beinahe vergessene Orte, deren Chancen ihr erkannt habt. Was macht für euch eine besondere Lage aus und was muss man tun, um ihr Potenzial zu erkennen und herauszuarbeiten und sie dennoch in ihrem Wesen unverändert zu lassen?
H.O. S.: „Schon, als ich ein junger Kerl war, war der Frauenberg in gewisser Weise mythisch. Dieser weiße Kalkstein und der Fels dieses Ur-Riffs versprachen einfach etwas Großartiges. Das
Gleiche gilt in seiner Schroffheit auch für den Zellerweg am Schwarzen Herrgott. Wenn man sich deren Geschichte ansieht, war es auch schon vor 30 Jahren klar, dass sich eine Investition in die Weinberge und Lagen des sogenannten Zellertals lohnt. Die Hügel dieser Region sind bis zu 320 m hoch, windoffen und bekommen stets die kühlen Winde vom Donnersberg. Das Wesen unseres Terroirs unverändert zu lassen, ist Teil unserer Philosophie. Unsere Weinberge werden ökologisch und nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaftet. Für uns ist der Riesling der Transmitter des Bodens in das Glas. Er wird mit natürlichen Hefen und ohne Zusätze und vergoren.“
L. H.: Ihr steht nicht still, denn euer Anspruch ist die Spitze, das Optimum. Dennoch ist da eine Erdung, ein Urvertrauen, in das, was ihr tut. Was waren die bisherigen Meilensteine eurer Arbeit und was bleibt noch zu tun?
H.O. S.: „Einer der Meilensteine ist gewesen, dass wir früh erkannt haben, welche absoluten Spitzenlagen im Zellertal wieder in den Fokus rücken werden. Es sind die historischen Lagen, die teilweise schon im 14. Jahrhundert bewirtschaftet wurden. Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort, als die Weinberge verfügbar waren, und konnten in jeder unserer 10 Lagen die absoluten Filetstücke übernehmen.“
L. H.: Ihr seid nicht nur Winzer und Gastgeber, ihr seid vor allen Dingen auch Eltern. Was sind die zentralen Werte, die ihr euren Kindern mitgeben wollt und was wäre, wenn sie mit Wein so gar nichts am Hut hätten?
C. S.-G.: „Die zentralen Werte sind für uns Demut, Ehrlichkeit und immer mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Dabei immer aufmerksam, nett und freundlich zu sein. Im Moment sieht die Nachfolge gut aus. Unser Sohn Leopold beginnt im nächsten Jahr die Winzerlehre bei Bürklin-Wolf. Unseren Beruf muss man lieben und leben. Wenn man sich nicht damit identifizieren kann, würden wir unseren Kindern abraten weiterzumachen.“
L. H.: Eine Familie reift aneinander. Niemand wüsste das besser als ihr. Was bedeuten die Begriffe des Werdens und Wachsens für euch?
C. S.-G.: „Alles, was H.O. und ich sind, haben wir gemeinsam erreicht. Werden und Wachsen bedeutet, dass wir unheimlich fleißig sind und waren und uns gesund dabei entwickelt haben.“
L. H.: Unsere Familien sind lange verbunden, auch abseits des Weinthemas. Ich habe ein Praktikum bei euch absolviert, ihr seid für meine Eltern Raimund und Sabine über die Jahre zu echten Freunden geworden. Was macht Freundschaft und Miteinander für euch aus?
C. S.-G.: „Du warst eine großartige Praktikantin und bist schnell wie ein Familienmitglied für uns geworden.
C. S.-G. & H.O. S.: Miteinander ist bei uns im Weingut die Mitarbeiterphilosophie. Hierarchien gibt es nicht. Wir essen jeden Tag gemeinsam zu Mittag. Seit 2 Jahren haben wir eine Köchin, die einen großen Gemüsegarten für uns alle angelegt hat. Freundschaften sind unser Ausgleich. Die innigen Freundschaften, die wir haben, liegen uns sehr am Herzen. Es gibt nichts Schöneres, als bei einem Glas Wein gemeinsame Zeit zu verbringen, zu lachen und gute Gespräche zu führen. Das ist besser als jedes Hobby. Es ist nur schade, dass unsere liebe Sabine und der liebe Raimund so weit entfernt von uns wohnen.“
